Auswirkung – Kunst als ökologische Praxis

Ausgangspunkt

Die Ausstellung „Auswirkung – Kunst als ökologische Praxis“ schaut auf künstlerische Projekte, die sich mit der Beeinflussung, Veränderung und Formung von Umwelt und Natur beschäftigen und ökologische sowie gesellschaftlich nachhaltige Praktiken in den Blick nehmen. Künstlerische Praxis wirkt so im Idealfall nachhaltig in die Gesellschaft hinein, weckt Potenziale und erzielt Effekte auf ökologischer, wie gesellschaftlicher Ebene. Das eigene Handeln erzielt eine unmittelbare Wirksamkeit und stärkt die Resilienz.

Künstler*innen: Bureau Baubotanik, die Matriarchale Volksküche, Mira Simon und Hannah Liya, Christina Schmid und Aida Nejad.

Eröffnung mit Filmscreening

Glimmendes Gleichgewicht – Eine reale Fiktion über Unreal Estates und den Wert des Landes
Regie: Hannah Liya

Do 11.04.24, 19 Uhr
Haus der Katholischen Kirche
Eintritt frei

 

Im Film verwaschsen die Protagonistin Anna und ein Stück Land. Anna wird mit der Bemessung des Werts dieses Stück Lands konfrontiert. Wie wertvoll ist diese 830 qm große weinbauliche Steillage? Eine Berechnung, nach der sie -635,50 € pro Jahr wert ist, ist der Ausgangspunkt von Annas Auseinandersetzung.

 

Im Anschluss an den Film gibt es ein kurzes Gespräch mit Tamarind Rossetti und Stephen Wright (Künstlerhaus Stuttgart), moderiert von Ronald Kolb

Hannah Liya

Bureau Baubotanik/THEATRE OF THE LONG NOW:
KÜNSTLERISCHE LEITUNG/ARTISTIC DIRECTION: Alice Ferl, Stine Hertel, Oliver Storz und Hannes Schwertfeger
KAMERA: Surja Ahmed ist Künstlerin aus Stuttgart. In ihrer künstlerischen Praxis spielen oft Audio- und Videoformate eine tragende Rolle.
KAMERA, POSTPRODUKTION FILM: Sabrina Schray ist freie Künstlerin und Performerin. Sie ist Mitgründern der Künstler:innengruppe Gruppe CIS. Ihre Arbeiten entstehen in kollektiven Zusammenhängen und beschäftigen sich mit den Auswirkungen medialer Settings auf gesellschaftliche Szenarien und Körperrealitäten.
PFLANZENFOTOGRAFIE: Sebastian F. Meyer assistierte bei den Fotografen Brigida Gonzalez und Prof. Lothar Bertrams und studierte Architektur am Karlsruher Institut für Technologie und der TU München. Er arbeitet als Architekt, Künstler und Fotograf in Stuttgart.
BOTANIKER:INNEN: Sebastian Becker, Dr. Robert Gliniars, Anna Krupp

THEATRE OF THE LONG NOW

Das THEATRE OF THE LONG NOW ist das Versprechen, auf einer Brachfläche eine mindestens 100 Jahre andauernde Vorstellung stattfinden zu lassen. Teil dieser Vorstellung sind Wachstumsprozesse, Bauprozesse, soziale, politische und performative Prozesse. Im THEATRE OF THE LONG NOW gibt es unzählige Beteiligte, die den Entwicklungsprozess der Brache beeinflussen und mitbestimmen. Darunter der Boden, Pflanzen und Insekten, Steine und Mineralien, technische Einrichtungen aus Metall und eine Schildkröte. Die Ausstellung gewährt Einblicke in die Prozesse der ersten botanischen Erhebung 2020 (Film) und in deren erste Ergebnisse (Fotografien und Herbarbelege).

 

Bureau Baubotanik schärft das Bewusstsein für die ökologischen, sozialen, kulturellen, technischen und politischen Einflüsse, die auf öffentliche Grünräumen einen großen Handlungsdruck erzeugen. Die Baubotanik ist eine Kulturtechnik, die gemeinsam mit künstlerischen und wissenschaftlichen Akteuren möglichst langfristig wirksame, performative Vorstellungsräume erzeugt.
Oliver Storz studierte Architektur an der Universität Stuttgart und der TU Delft, Niederlande. Hannes Schwertfeger studierte Architektur in Kassel, Stuttgart, Delft und Mexiko-Stadt. Beide arbeiten seit 2004 an den Wagenhallen in Stuttgart und leiten seit 2010 gemeinsam das Bureau Baubotanik. Ihre aktuell laufenden performativen Vorstellungsräume sind das „Theatre of the Long Now“ eine mindestens 100-jährige Choreografie einer Brachfläche, gemeinsam mit den Choreografinnen Alice Ferl und Stine Hertel, das HABITAT, eine performative Installation zum gestörten Zusammenleben von Pflanzen, Tieren und Menschen, sowie die mehrjährige Installation „Acting Care – Eine Vorstellung auf der Wiese“ in Bad Boll.
 bureau-baubotanik.de 

Plitsch Platsch – Stuttgarter Wassergeschichten

Wasserspaziergang mit Trinkpausen und Lesung in Stuttgart Mitte
Do 16.05.24, 17:30 Uhr – 19:30 Uhr
Treffpunkt: Brunnen im Haus der Katholischen Kirche
Anmeldung unter kbw-stuttgart.de
Eintritt frei

 

Stuttgarts Sehnsucht nach Wasser ist größer als das Wissen um den tatsächlichen Reichtum an Mineralquellen, Brunnen, Bädern, Bächen, Flüssen, Seen und Ideen. Einen Sommer lang schwimmen Christina Schmid und Aida Nejad durch die Stadt. Sie lauschen Wassergeschichten, sammeln Geplätscher, kartieren Gewässer und schauen, was da ist – oder da sein könnte. Beim Wasserspaziergang mit Trinkpausen und Lesung geben sie Einblick in das Buch ‚Plitsch Platsch – Stuttgarter Wassergeschichten‘. Sie führen zu bekannten und versteckten Wasserorten in der Stadt, wecken Aufmerksamkeit und stärken die Wahrnehmung für Stuttgarts Wasserstellen. Zum Brunnenwasser gibt es selbsthergestellten Sirup in eigens kreierten Gläsern aus geköpften Mineralwasserflaschen.

Christina Schmid, 1985 an der Donau geboren, studierte am Bodensee und an der Limmat, seit 2013 lebt sie bereits zum dritten Mal am Neckar. Seit 2018 führt sie den Verlag ‚Prima.Publikationen‘. Als freie Gestalterin, Künstlerin und Autorin beobachtet und belauscht sie das Leben, mit Blick für das Besondere im Alltäglichen. Im Zusammenspiel von Inhalt und Form erschafft sie eigensinnige Bücher wie ‚Treppauf – Treppab | Stuttgarter Stufennotizen‘ und das interaktive Geometriebuch ‚Vom Punkt zur Kugel und zurück‘, die von der Stiftung Buchkunst als Schönste Deutsche Bücher ausgezeichnet wurden. Dazu entwickelt sie performative Formate wie die Wasserspaziergänge mit Trinkpausen zu diesem Buch.

 

Aida Nejad, 1989 am Neckar geboren, lebte an der Elbe und studierte an der Oker und am Neckar. Seit 2017 arbeitet sie freischaffend als Architektin und Stadtplanerin an performativen Planungs- und Gestaltungsprozessen. 2019 gründete sie mit drei Partner·innen ‚Studio Malta‘, ein Büro für Stadt, Architektur und Design in Stuttgart und Berlin. Außerdem kuratiert sie den Stuttgarter Offspace ‚Lagune‘, der seit 2020 Künstler·innen eine Plattform für Experimente gibt. Als Künstlerin widmet sie sich Fragestellungen an der Schnittstelle von Kunst und (Natur-)Raum in unterschiedlichen Maßstäben.

Matriarchale Volksküche

Die Künstler*innengruppe Matriarchale Volksküche wurde 2018 gegründet und schwingt in diesen Zeiten der Umbrüche und drohenden Krisen nicht nur den Kochlöffel, sondern bemüht sich verschiedene Perspektiven und Ansätze um den Tisch zu versammeln, um gemeinsam die Suppe auslöffeln, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und Rezepte für ein zukünftiges Miteinander auszutauschen. Sie führt damit situativ die Arbeit der Volksküchen fort, die mit ihrer Ökonomie der Sorge im Kontrast stehen zur Ökonomie des freien Marktes. Die darin geleistete, meist unbezahlte Fürsorgearbeit stellt allerdings auch die Frage nach verinnerlichten Ausbreitungsmechanismen und Wertesystemen in neoliberal-kapitalistischen Strukturen.

 

ZUSAMMEN ISST MAN WENIGER ALLEIN//Open kitchen

SA 20.04.24, ab 11 Uhr
Haus der Katholischen Kirche

 

An einem Tisch, der im Laufe der Aktion von einer Arbeitsplatte zu einer Festtafel mutiert, werden wir die Zusammenhänge von Gemeinschaft, Verteilung, existenziellen und individuellen Bedürfnissen und den Bedingungen, die Veränderung ermöglichen, zelebrieren. Mit unseren Händen und Werkzeugen, unserem Hunger und Genuss, erleben und erinnern wir uns jenseits von Ratio an die ökonomischen und sozialen Dimensionen unserer Körper. Wir kochen improvisatorisch lecker und speisen vom kooperationsfördernden Spezial-Gedeck der Matriarchalen Volksküche.

 

Die Matriarchale Volksküche freut sich über Spenden für den Einsatz an Lebensmitteln. Es kochen mit euch: Marcela Majchrzak, Marie David und Sabrina Schray

Die Partielle

Die in Stuttgart lebende Künstlerin und Winzerin Mira Simon zeigt in der Ausstellung eine künstlerische Arbeit, die auf ihren Arbeitsalltag als Winzerin Bezug nimmt. Sie stellt Arbeitskleidung von, durch und für ihren Weinberg die Partielle aus. Dabei geht es um die Frage, inwieweit die Arbeit in der Landschaft in Funktion von Kleidung sichtbar wird, oder wie Gebrauch und Nutzen sich einschreibt und andererseits, wie Einfl üsse aus dem Weinberg selbst ästhetische Kriterien werden.

insight: ist das Ausstellungsformat des Katholischen Bildungswerks Stuttgart in Kooperation mit dem Haus der Katholischen Kirche.

insight: möchte den Blick für spannende Fragestellungen der Bildenden Kunst öffnen, die an religiöse, soziale und gesellschaftliche Bezugspunkte anknüpfen und reizvolle Diskurse anstoßen.

Kostenfreie Teilnahme an allen Aktionen und Touren

 

 

Kuratorium:

Eva Dörr: Künstlerin und Musikerin, Stuttgart
Ronald Kolb: Kurator, Researcher, Stuttgart
Florian Model: Künstler und Kurator, Stuttgart
Maria Dis: Kunsthistorikerin, Leiterin des Projekts insight: im KBW Stuttgart e. V.
Roland Weeger: Leiter KBW Stuttgart e. V. und Leiter Haus der Katholischen Kirche Stuttgart