Nachtstücke: Unterwegs in der Dunkelheit

Forschend und erlebend beschäftigen sich die eingeladenen Künstler*innen mit den Spannungsverhältnissen, den Übergängen und mit dem Zusammenspiel zwischen öffentlichem Raum in der Dunkelheit, (imaginierter) Gemeinschaft, dem illuminierten Gefühl von Sicherheit, aber auch mit dem Nicht-Sichtbarem und anderen Phänomenen bei Nacht und Dunkelheit in der Stadt. Das Ausstellungsprojekt „Nachtstücke: Unterwegs in der Dunkelheit“ ist der Versuch einer partizipativen, reflexiven und aktiven Annäherung bei Dunkelheit an die Stadt mit ihren vielen Facetten und Dimensionen. Das Haus der Katholischen Kirche ist daher weniger – wie sonst üblich – Ausstellungsort, vielmehr ist es der Startpunkt für eine Reihe von Aktionen, Touren, Walks mit Künstler*innen in der Stuttgarter Innenstadt. Das Publikum ist eingeladen, teilzunehmen und die Stadt bei Dunkelheit zu begehen.

 

Zur musikalischen Eröffnung – Good Morning – Midnight – laden wir am 17.11.22, 19 Uhr ins Atrium des HdKK ein: mit Lena Meinhardt, Eva Dörr und Pascal Zurek.

Während des Ausstellungszeitraums werden im Haus der Katholischen Kirche die Dokumentationen der Aktionen, die Audiowalks zum Download und Ausleihen und die Arbeit “Lava und Düsen” von Ui-Kyung Lee, Jasmin Schädler, Julian Siffert und Helen Weber dauerhaft installiert sein.

Art Works:

Mit dabei: Rimini Protokoll (Helgard Haug/Stefan Kaegi/Cornelius Puschke/Daniel Wetzel); flanerie. Labor für gedanken & gänge (Daniela Raab/Tina Saum), Niki Matita; Campus Gegenwart (Emilia Dorr/Tim Strohmeier/Elisabeth Anna Maria Kaiser/Teppei Higuchi); Ui-Kyung Lee, Jasmin Schädler, Julian Siffert und Helen Weber.

Während des Ausstellungszeitraums werden im Haus der Katholischen Kirche die Dokumentationen der Aktionen, die Audiowalks zum Download und Ausleihen und die Arbeit “Lava und Düsen” von Ui-Kyung Lee, Jasmin Schädler, Julian Siffert und Helen Weber dauerhaft installiert sein.

Termine der Einzelaktionen:

  • 17.11.22, 19 Uhr: – Good Morning – Midnight –musikalische Eröffnung mit Lena Meinhardt, Eva Dörr und Pascal Zurek im HdKK
  • 23.11.22 + 03.12.22, 20:30 Uhr: Campus Gegenwart, Shadows of Transitions
  • 30.11.22, 18 Uhr: Rimini Protokoll: THE WALKS
  • 13.–14.12.22, 22–2 Uhr (Sendezeit): Niki Matita: GEMINI
  • 18.12.22, 16-21 Uhr: Julia Wirsching & deef: Symphony of the Crickets

Rimini Protokoll: The Walks
Helgard Haug/Stefan Kaegi/Cornelius Puschke/Daniel Wetzel
Während der gesamten Ausstellungsdauer

„The Walks“ versteht das Gehen als theatrales Szenario: Ein audio-geführter Spaziergang in Parks, ein inszenierter Besuch in Supermärkten oder eine getaktete Interaktion an Gewässern. In jeder Stadt werden unter der Begleitung von Stimmen, Geräuschen und Musik vertraute Orte zu Schauplätzen – und Landschaften zu Bühnen: durch Erzählungen, dialogische Situationen, choreografische Erkundungen oder musikalisch-rhythmische Variationen des Gehens. Der Kurztitel jedes Walks zeigt dir an, wo oder wie er aufgeführt wird: „ Friedhof“, „Am Wasser“ oder „Verkehrsinsel”. Um einen Audio-Walk zu machen, reichen schon 20 Minuten.

Lava und Düsen: Audioinstallation
Ui-Kyung Lee, Jasmin Schädler, Julian Siffert und Helen Weber:
Während der gesamten Ausstellungsdauer

Lava und Düsen (2020) ist ein Hörspiel, das sich, ausgehend vom Auto als Klangkörper, als Fortbewegungsmittel und als Projektionsfläche, mit Themen wie Imitation und Irritation, mit Künstlichkeit und Natürlichkeit sowie Maschinellem und Organischem auseinandersetzt. Auslöser waren die Beobachtungen der Künstler*innen nachts auf der Theodor-Heuss-Straße und der Stauffenbergstraße in Stuttgart, als Ausgehmeile und „Laufsteg“ für hochklassige, oft mit vielen Extras ausgebaute und augenscheinlich sehr gepflegte Fahrzeuge.

flanerie. labor für gedanken & gänge: Hinters Licht geführt zu werden, um dann im Dunkeln zu tappen
Daniela Raab, Tina Saum
Während der gesamten Ausstellungsdauer

Unter dem Label „flanerie. labor für gedanken & gänge” gestalten Daniela Raab und Tina Saum Projekte, mit denen sie die Lust auf das Flanieren wecken wollen. Für unsere Ausstellung entwickelten sie einen Audio-Walk speziell für Stuttgart, der auf das Smartphone heruntergeladen oder an der Infotheke im HdKK ausgeliehen werden kann. In dem Audio-Walk erzählt eine Frau, dass sie einen Abendspaziergang auf der Königstraße machen wollte.

Sonderbare Vorfälle brachten sie aber immer wieder vom Weg ab. Wie der kurvenreiche Gang zwischen der Königstraße und deren Seitenstraßen, besteht auch das Hörspiel aus einem assoziativen Gedanken-Gang zu den Themen „Licht“ und „Dunkelheit“. Empfohlen wird, den Audio-Walk (ca. 45. min) bei Dämmerung/Dunkelheit zu machen.

 

Campus Gegenwart: Shadows of Transitions
23.11. und 03.12.22, 20:30 Uhr, Treffpunkt: HdKK
Emilia Dorr, Tim Strohmeier, Elisabeth Anna Maria Kaiser, Teppei Higuchi
(auf Englisch)

Für zwei Abende entwickeln die Studierenden des Masters Performance der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart eine Performance, die das Thema Licht und Dunkelheit weniger metaphorisch betrachtet, sondern eher aus technisch-angewandter Perspektive. Sie reflektieren dabei auch den Einsatz von Licht und Dunkelheit als technisches uns strategisches Mittel der Kriegsführung und bei militärischen Aktionen.

 

Rimini Protokoll: Walks with Apps + Online-Debriefing-Session mit Helgard Haug
Mi, 30.11.22, 18 Uhr, Treffpunkt: Haus der Katholischen Kirche
Das Gespräch führt Ronald Kolb

Gemeinsam wählen wir aus den Themen „Park, Ampel, Supermarkt, Kreisverkehr, Theater, Wasser“ 1-2 „Walks“ der App aus und starten eine 20-40 min. kurze Tour im Umkreis des HdKK. Anschließend treffen wir uns mit Helgard Haug in einem hybriden online-Gespräch, um unsere Erfahrungen auszutauschen und mehr über die von Rimini Protokoll entwickelte App und die Hintergründe der Entstehung zu erfahren.

Um am Walk teilzunehmen, werden ein ein App-fähiges Smartphone und Kopfhörer benötigt.

Niki Matita & Gäste: GEMINI
Start 13.12.22, 22 Uhr am HdKK, Ende gegen 2:00 Uhr am Werkstatthaus//Stuttgart-Ost

In der Nacht vom 13. auf den 14. Dezember ist der Sternschnuppenregen der Geminiden von beiden Erdhälften aus sichtbar. Aus diesem Anlaß wird der Ausstellungsort der Ausstellung „Nachtstücke: Unterwegs in der Dunkelheit“, das Haus der Katholischen Kirche zum Startpunkt für eine Radionachtwanderung mit der Künstlerin und Kulturanthropologin Niki Matita. Dazu verwandelt sich der Balkon des Werkstatthauses in ein Außenstudio für die Dauer einer Radiokunstnacht, die sich dem Meteoritenschauer und dem Zwillingsmotiv widmet.

Partizipativ wird das Publikum zum Teil des Ganzen. Seit 2020 erkundet Niki Matita in der Radiosendung „La Passante Ecoutante“ spazierend und lauschend verschiedene Orte. Daran anlehnend können sich Interessierte in einer geführten Nachtwanderung um 22:00 Uhr von der Königstraße zur Uhlandshöhe aufmachen und mit dieser Expedition Teil der Sendung werden.

Dem Termin und der Themenwahl des Abends liegt der Meteorstrom zugrunde, dessen Radiant nähe des Sterns Castor im Sternbild Zwillinge liegt, das ihm den Namen Geminiden gab. Das Zwillingsthema wird die Teilnehmer*innen und Hörer*innen durch die Nacht begleiten. Die Expedition, zufällige Begegnungen, verabredete Gespräche mit Gästen, internationale Einsendungen aus einem Open Call und eine kosmische musikalische Begleitung werden live im Freien Radio für Stuttgart (UKW 99,2 MHz) gesendet und können zuhause und unterwegs im Radio – oder auch gemeinsam im Café vor Ort gehört werden. Später kann die Radiokunstnacht auf unserer Projekt-Website während der Ausstellung im Atrium des HdKK nachgehört werden.

 

Treffpunkt Expedition: 13.12.22, 22:00 Uhr, Haus der Katholischen Kirche, Königstraße 7, Stuttgart

Außenstudio & Radiocafe: Werkstatthaus, Gerokstraße 7, 70188 Stuttgart

Ausstrahlung: FRS Freies Radio für Stuttgart. UKW 99,2 MHz // livestream https://www.freies-radio.de/player/player.html

Social Media: https://www.facebook.com/events/5691168174292951

Open Call: https://www.facebook.com/events/566214528647961

 

 

Symphony of the Crickets
18.12.22, 16-21 Uhr PRISMA, Bahnhofstr. 14-18, Stuttgart Bad-Cannstatt

Der Klang der Grillen fügt den Abenden und Nächten überall auf der Welt ein unüberhörbares Summen hinzu. Es gibt vier verschiedene Arten von Grillenrufen, die davon abhängen, ob das Männchen zur Paarung ruft, ein Weibchen umgarnt, sich aggressiv gegenüber einem anderen Männchen äußert oder eine gerade vollzogene erfolgreiche Paarung kundtut.
In Symphony of the Crickets wird die Kommunikation des Grillenschors von Tanoeiro (Portugal) in einer begehbaren Soundinstallation zu hören sein. Die Besucher*innen werden gebeten, den Ort der Ausstellung – ein Treppenhaus am Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt – einzeln zu begehen. Währenddessen laden wir zum Aufwärmen und gemeinsamen Austausch ein.

Unter die Haut: Mein Tattoo – Meine Geschichte – beim Katholikentag am Karlsplatz (25.-29.05.22)

Was steckt hinter deinen Tattoos? Sind sie reine Zierde? Oder erinnern sie dich an wichtige Ereignisse und Menschen in deinem Leben? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt unseres Ausstellungsprojektes "Unter die Haut: Mein Tattoo - Meine Geschichte". In einer Ausstellung und einem Booklet erzählen 22 Teilnehmer*innen von sich und ihren Tattoos.
Zum Katholikentag zeigen wir eine Auswahl der Fotografien im öffentlichen Raum am Karlsplatz in Stuttgart.

Das Booklet gibt es hier digital zum Durchblättern und bald an dieser Stelle in Auszügen zum Anhören. Während des Katholikentags liegt das Booklet im Haus der Katholischen Kirche an der Infotheke kostenlos zum Mitnehmen bereit.

Ort: Haus der Katholischen Kirche,
Königstr. 7, Stuttgart

Gefördert von der Roman und Gertrud Stetter Stiftung

Helen Weber: Puszcz imperatory

Das UNESCO Weltkulturerbe Bialowieza-Urwald, auch „letzter Urwald Europas“ genannt, erstreckt sich vom Osten Polens über die Grenze in den Westen Belarus’. Heute lebt die Bevölkerung der Gegend vor allem vom Urwald-
Tourismus, dessen Hauptattraktion wieder ausgewilderte europäische Wisente sind. Seit der frühen Neuzeit ranken sich Mythen, Fantasien und Sehnsüchte sämtlicher Herrschender um die Jagd auf den Wisent, der zum Imperator der Urwalds (Zubr puszcz imperatory) stilisiert wird. Im nationalsozialistischen Deutschland plante der passionierte Jäger „Reichsjagdmeister“ Göring dort eine „germanische Urnatur“ und sah im Wisent den Auerochsen.

Helen Webers Arbeiten beschäftigen sich häufig mit Natur, Wald, Gebirge als Kulturräumen, also dem, was Menschen darin sehen und ihnen zuweisen. Anfang September 2021 reiste sie zu Recherchezwecken nach Bialowieza. Den historischen puszcza suchend, wurde sie mit der Gegenwart konfrontiert. Der Wald ist Teil einer militarisierten Sperrzone, aus der keine Bilder nach außen dringen sollen. Helen Webers Aufzeichnungen, die zum Teil in der Ausstellung zu sehen sind, dokumentieren eine Geschichte, die sich anhand zufälliger Begegnungen selbst zu schreiben scheint.

Ort: Haus der Katholischen Kirche,
Königstr. 7, Stuttgart
Eröffnung neu: Mi, 30.03.22, 19 Uhr
Dauer: 30.03.22- 24.04.22

Gefördert von der Roman und Gertrud Stetter Stiftung

Eröffnung Helen Weber